Trinkwasserinstallation nach längerer Betriebsunterbrechung wieder in Betrieb nehmen

Wurde eine Trinkwasserinstallation oder ein Teil davon über längere Zeit nicht genutzt, sollte die Wiederinbetriebnahme geplant erfolgen.

Lange Stagnationszeiten können die Trinkwasserbeschaffenheit verändern. Je nach Dauer der Betriebsunterbrechung, Nutzung des Gebäudes und Zustand der Installation kann deshalb mehr erforderlich sein als das einfache Öffnen einzelner Wasserhähne.

Wann spricht man von einer Betriebsunterbrechung?

Eine Betriebsunterbrechung liegt vor, wenn der regelmäßige Wasseraustausch über einen längeren Zeitraum nicht aufrechterhalten wurde.

Typische Situationen sind:

  • längerer Leerstand
  • saisonal genutzte Gebäude
  • längere Schließung eines Betriebs
  • leerstehende Wohnungen oder Gebäudebereiche
  • zeitweise geschlossene Schulen, Kitas oder Sportstätten
  • längere Stilllegung einzelner Etagen oder Nutzungseinheiten

Der DVGW unterscheidet dabei zwischen kurzen Stagnationszeiten und längeren Betriebsunterbrechungen über mehrere Wochen oder Monate.

Was ist vor der Wiederinbetriebnahme zu beachten?

Wurde während der Nichtnutzung regelmäßig gespült und der bestimmungsgemäße Betrieb damit aufrechterhalten, genügt nach DVGW-Angaben üblicherweise, alle Entnahmestellen vollständig zu öffnen und das Wasser bis zur Temperaturkonstanz abfließen zu lassen. Temperaturkonstanz bedeutet, dass sich die Temperatur des ablaufenden Wassers nicht mehr wesentlich verändert.

Wurde dagegen über längere Zeit kein ausreichender Wasseraustausch durchgeführt, sollte die Trinkwasserinstallation genauer betrachtet werden.

Wie wird eine Trinkwasserinstallation gespült?

Bei einer Wiederinbetriebnahme kann eine Spülung der gesamten betroffenen Trinkwasserinstallation erforderlich sein.

Dabei sind sowohl der Bereich des kalten als auch des warmen Trinkwassers zu berücksichtigen. Die einfachste Form ist eine Spülung ausschließlich mit Wasser. Je nach Zustand der Installation können weitergehende Reinigungs- oder Desinfektionsmaßnahmen erforderlich werden.

Das detaillierte Vorgehen hängt von der jeweiligen Installation und der Dauer der Unterbrechung ab.

Reicht einfaches Wasserlaufenlassen immer aus?

Nein. Nach einer kurzen Nichtnutzung reicht häufig das Ablaufenlassen bis zur Temperaturkonstanz.

Bei längeren Betriebsunterbrechungen, größeren Installationen oder einer vollständigen Stilllegung kann dagegen eine fachgerechte Wiederinbetriebnahme erforderlich sein.

Der DVGW empfiehlt insbesondere dann die Einbindung eines Fachinstallationsunternehmens, wenn die Installation entleert wurde oder länger als sechs Monate ohne ausreichenden Wasseraustausch im befüllten Zustand stillstand.

Was gilt nach sehr langer Stillstandszeit?

Je länger eine Trinkwasserinstallation nicht genutzt wurde, desto wichtiger ist eine strukturierte Bewertung vor Wiederaufnahme des normalen Betriebs.

Je nach Situation können erforderlich sein:

  • fachgerechte Spülung
  • technische Überprüfung der Anlage
  • Kontrolle von Temperaturen und Betriebsbedingungen
  • mikrobiologische Untersuchungen
  • gegebenenfalls Reinigung oder Desinfektion
  • Prüfung selten genutzter oder dauerhaft stillgelegter Leitungsabschnitte

Welche Maßnahmen tatsächlich notwendig sind, hängt vom Gebäude, der Nutzung und der konkreten Installation ab.

Für eine Stillstandszeit von mehr als sechs Monaten nennt die DVGW-Information zum hygienisch sicheren Betrieb neben der fachgerechten Spülung zusätzlich eine mikrobiologische Untersuchung.

Was gilt bei Gebäuden mit Publikumsverkehr?

Bei Hotels, Kitas, Sportstätten und anderen öffentlich oder gewerblich genutzten Gebäuden sollte die Wiederinbetriebnahme rechtzeitig geplant und hygienisch bewertet werden.

Nach einer Betriebsunterbrechung empfiehlt der DVGW eine mikrobiologische Untersuchung nach der Wiederinbetriebnahme. Wird gespült, erfolgt die Probenahme im Anschluss an die Spülung. Bei Trinkwasserabgabe an die Öffentlichkeit ist mit dem Gesundheitsamt zu klären, ob und welche Parameter zu untersuchen sind.

Bei solchen Objekten sollte die Wiederinbetriebnahme deshalb nicht erst am Tag der Wiedereröffnung begonnen werden.

Bei der Wiederinbetriebnahme einer stillgelegten Gebäudewasserversorgungsanlage mit öffentlicher Trinkwasserbereitstellung ist außerdem die Anzeigepflicht nach § 11 TrinkwV zu beachten. Die Anzeige beim Gesundheitsamt muss grundsätzlich spätestens vier Wochen vor Beginn der Maßnahme erfolgen. Die routinemäßige Nutzung nach einem Urlaub bei aufrechterhaltenem bestimmungsgemäßem Betrieb ist damit nicht gemeint.

Was passiert nach der Wiederinbetriebnahme?

Nach der Wiederinbetriebnahme sollte unmittelbar wieder ein bestimmungsgemäßer Betrieb sichergestellt werden.

Das bedeutet insbesondere, dass alle relevanten Entnahmestellen regelmäßig genutzt werden und das Trinkwasser in der Installation ausreichend häufig ausgetauscht wird.

Der DVGW nennt in seiner Information vom März 2024 als Orientierung einen vollständigen Wasseraustausch spätestens alle sieben Tage, besser alle drei Tage.

Für die hygienische Betriebsplanung ist die Einordnung des VDI wichtig: Die Richtlinie VDI 6023 sieht grundsätzlich einen vollständigen Wasseraustausch spätestens alle 72 Stunden vor. Eine Verlängerung auf bis zu sieben Tage setzt den Nachweis voraus, dass die Trinkwasserqualität dadurch nicht beeinträchtigt wird. Der längere Abstand ist daher keine pauschal frei wählbare Alternative.

Wiederinbetriebnahme dokumentieren

Bei größeren oder gewerblich genutzten Objekten kann eine Dokumentation sinnvoll sein.

Angaben für die Dokumentation

  • Datum der Wiederinbetriebnahme
  • Dauer der vorherigen Betriebsunterbrechung
  • betroffene Gebäudebereiche
  • durchgeführte Spülmaßnahmen
  • Temperaturmessungen
  • durchgeführte Untersuchungen
  • gegebenenfalls festgestellte Auffälligkeiten
  • weitere Maßnahmen

Regelmäßige Spülung statt Betriebsunterbrechung

Wenn ein Bereich nur vorübergehend nicht genutzt wird, kann ein regelmäßiger Wasseraustausch eine vollständige Betriebsunterbrechung vermeiden.

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Quellen und weiterführende Informationen

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