Trinkwasser richtig spülen nach Urlaub und längerer Abwesenheit

Wenn Trinkwasser längere Zeit in den Leitungen steht, spricht man von Stagnation. Dabei kann sich die Beschaffenheit des Wassers verändern. Nach Urlaub, Leerstand oder längerer Nichtnutzung ist es deshalb sinnvoll, das stagnierende Wasser auszutauschen und die betroffenen Leitungsabschnitte zu spülen.

Warum sollte Trinkwasser nach längerer Nichtnutzung gespült werden?

Trinkwasser sollte möglichst regelmäßig ausgetauscht werden. Bleibt Wasser längere Zeit in der Installation stehen, können sich unter anderem Mikroorganismen vermehren und Stoffe aus Installationsmaterialien in das Wasser übergehen.

Das Umweltbundesamt empfiehlt bereits bei einer Stagnationszeit von mehr als etwa vier Stunden, Wasser für Trinkzwecke und zur Speisenzubereitung zunächst ablaufen zu lassen, bis es deutlich kühler aus der Leitung kommt.

Was gilt nach einigen Tagen Abwesenheit?

Bei einer Nichtnutzung ab etwa drei Tagen empfiehlt das Umweltbundesamt, die Entnahmearmaturen zu öffnen und einen vollständigen Trinkwasseraustausch in den betroffenen Anlagenteilen sicherzustellen.

In der Praxis bedeutet das:

  • Kaltwasser vollständig öffnen
  • Wasser ablaufen lassen, bis sich die Temperatur nicht mehr wesentlich verändert
  • auch die Warmwasserseite getrennt spülen, bis die Temperatur gleichbleibend warm ist
  • selten genutzte Entnahmestellen nicht vergessen
  • auch Entnahmestellen am Ende von Leitungssträngen berücksichtigen

Bei unbekannten Leitungsverläufen kann es sinnvoll sein, alle Entnahmestellen im betroffenen Bereich nacheinander zu öffnen und ausreichend zu spülen. Die Temperaturkonstanz dient dabei als Orientierung für den Wasseraustausch. In größeren oder verzweigten Installationen sollte das Vorgehen anhand der Leitungsführung geplant werden.

Was gilt bei längerer Abwesenheit?

Bei einer Abwesenheit von mehr als vier Wochen empfiehlt das Umweltbundesamt, die betroffenen Leitungen vor der Abwesenheit abzusperren und bei der Wiederinbetriebnahme zu spülen.

Ist eine Trinkwasserinstallation über längere Zeit tatsächlich außer Betrieb, reicht eine einfache Alltagsspülung möglicherweise nicht mehr aus. Dann sollte die Wiederinbetriebnahme gesondert betrachtet werden.

Mehr zur Wiederinbetriebnahme nach Betriebsunterbrechung

Wie lange muss gespült werden?

Eine pauschale Spüldauer in Minuten lässt sich nicht für jede Installation festlegen.

Entscheidend ist, dass das stagnierende Wasser vollständig ausgetauscht wird. Als einfache Orientierung kann bei Kaltwasser die Temperatur verwendet werden: Das Wasser sollte so lange laufen, bis es deutlich kühl bleibt und sich die Temperatur nicht mehr verändert.

Bei größeren Gebäuden, verzweigten Installationen oder unbekannten Leitungswegen kann eine strukturierte Spülung erforderlich sein.

Welche Entnahmestellen sollten berücksichtigt werden?

Besonders wichtig sind Entnahmestellen, die wenig oder nur unregelmäßig genutzt werden.

Typische Beispiele sind:

  • Gästebäder
  • selten genutzte Waschtische
  • Duschen in wenig belegten Bereichen
  • Ferienwohnungen
  • Nebenräume
  • abgelegene Entnahmestellen
  • saisonal genutzte Bereiche

Dauerhaft nicht genutzte Leitungsabschnitte sollten nicht einfach dauerhaft mit Wasser gefüllt bleiben. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass solche Leitungsbereiche eine hygienische Belastung für die übrige Installation darstellen können.

Wie oft sollte Wasser ausgetauscht werden?

Der DVGW nennt in seiner Verbraucherinformation vom Mai 2020 als Orientierung einen vollständigen Wasseraustausch spätestens alle sieben Tage, besser alle drei Tage.

Für die hygienische Betriebsplanung ist die Einordnung des VDI wichtig: Die Richtlinie VDI 6023 sieht grundsätzlich einen vollständigen Wasseraustausch spätestens alle 72 Stunden vor. Eine Verlängerung auf bis zu sieben Tage setzt den Nachweis voraus, dass die Trinkwasserqualität dadurch nicht beeinträchtigt wird. Der längere Abstand ist daher keine pauschal frei wählbare Alternative.

Der Wasseraustausch kann durch die normale Nutzung der Entnahmestellen oder durch gezielte Spülmaßnahmen erfolgen.

Spülungen dokumentieren

Gerade bei vermieteten, gewerblichen oder öffentlichen Gebäuden kann es sinnvoll sein, regelmäßige Spülungen nachvollziehbar zu dokumentieren.

Angaben für das Spülprotokoll

  • Objekt
  • Bereich oder Raum
  • Entnahmestelle
  • Datum
  • Uhrzeit
  • Kaltwasser oder Warmwasser
  • Spüldauer beziehungsweise Zeit bis zur Temperaturkonstanz
  • Endtemperatur
  • ausführende Person
  • Bemerkungen

Spülprotokoll herunterladen

Mit einem Spülprotokoll lassen sich regelmäßige Spülmaßnahmen übersichtlich dokumentieren.

Spülprotokoll herunterladen (PDF)

Quellen und weiterführende Informationen

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